Gewinnspiel - Parselmund [Gewinner]
Fragt eine Schlange ihre Mutter: "Mama sind wir giftig?" - "Nein. Wieso?" - "Puh - ich hab mir gerade auf die Zunge gebissen!" - Hahahahahaha, damit weiter zum wichtigeren Part: Gewinnerankündigung!

- Von : Nolan Maywood




 

 

* Gewinner/-in *

 

Liebe Zauberer und Hexen,

der Gewinner oder die Gewinnerin vom Parselmund-Status ist arachsshai shhhA.
Das wars auch schon wieder! Euch allen eine schöne weitere Woche.

 

giphy.gif
 

Oh, ihr könnt den Gewinner oder die Gewinnerin nicht lesen. Oh Parsel?
Dann wollen wir euch nicht länger auf die Folter spannen!

 


 

Jury und Kriterien
 

Die Jury, bestehend aus Elza Lockser, Paula Kallmeier, Adara Pereira, Alisdair Negrescu, Valerie Charlton, Hidaya Brown und Elijah Dunham konnte Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) vergeben. Der daraus entstandene Gesamtschnitt führte zu der finalen Bewertung.


Zu bewerten gab es folgende Krtierien:

 

- Kreativität: Wie kreativ ist der Kerngedanke der Einsendung?
Realismus: Ist der Realismus in Bezug auf ein Märchen eingehalten worden? (Es kann zwar viel passieren, aber ein spontaner Roboterkrieg mit Dinosaurieren wäre zu viel)
- Aufbau / Form: Ist die Handlung logisch aufgebaut? Gibt es evtl. zu viele Gedankensprünge oder ist es schwer, dem Text zu folgen? Ist es ein Märchen? Wortanzahl?
- Text: Ist der Text angenehm zu lesen? Gibt es Wiederholungen? Wie ist der Satzbau?
- Persönlich: Persönliches Bauchgefühl

 

Die Gewinner-Einsendung hat einen Gesamtschnitt von 1,46 erreicht - ganz dicht am zweiten Platz mit einem Schnitt von 1,63 und dem dritten Platz mit einem Schnitt von 1,77!

Platz 3: Saxton Zypher

Platz 2: Ameliea Johnson
 

Platz 1: Ryan Bold

 


 

Ein großes Dankeschön geht an jeden von euch, der uns eine wundervolle Einsendung zugeschickt hat. Mal wieder konnten wir nicht genug von eurem Lesestoff bekommen. Solltet Ihr diesmal nicht gewonnen haben versucht es ruhig nochmal bei einem unserer weiteren Gewinnspiele! Diese finden in regelmäßigen Abständen statt.

 

Platz 2 und 3 erhalten einen kleinen Trostpreis aus dem SoMe-Keller.

 

Interessierte User können Ihren Schnitt via Eule erfragen!

 

Lange Rede, kurzer Sinn - wir wollen auch euch an dem Gewinnerwerk teilhaben lassen!

 


 

Das Märchen von der Wüstenschlange

Es war einmal ein fernes Land, mit dem Namen Aldhahab, in dem die Sonne verehrt wurde, wie ein Gott und in dem die tausend Nächte und die eine Nacht begonnen hatte; in der Zeit der Sultane und Kalifen. In einem wunderschönen Palast mit goldenen Dächern lebte die Familie des Herrschers: Der Sultan selbst mit seiner Ehefrau und der gemeinsamen Tochter, Prinzessin Paula. Sie war nicht nur wunderschön, sondern auch klug und das größte Heiligtum des gesamten Landes. Eines Tages verbreitete sich die Nachricht, dass die Prinzessin verschwunden sei, wie ein Lauffeuer. Vom Wesir zum einfachen Teppichknüpfer – jeder erfuhr davon, und bald verkündete auch der Palast die Tragödie: Paula war mitten in einer der sternklaren Wüstennächten verschleppt worden – und das Letzte, was die Wachen gesehen hatten, war der lange, schuppige Schwanz einer riesigen Schlange; mindestens so lang wie eine Karawane mit fünfzig Kamelen. Panik brach im Volk von Aldhahab aus, das um das Leben seiner treuen, liebenswerten Prinzessin fürchtete.

Eines war gewiss: Die Schlange musste gefunden und zur Strecke gebracht werden.
Einige der stolzesten Wüstenprinzen versuchten sich daran und verfolgten die Spuren im Sand unter der unbarmherzigen Sonne. Keiner von ihnen kehrte zurück.
Verzweifelt suchte der Sultan nach den fähigsten Kriegern, die allesamt aufbrachen, einer nach dem anderen, und auch von ihnen ward keiner mehr gesehen.

Aldhahab weinte um seine Prinzessin, Tage und Nächte lang. Bis sich die Kunde von einem Prinzen verbreitete, der am anderen Ende des Kontinents wohnen sollte. Sein Name war Wesley Boone und er stammte aus einer alten Familie von Schlangenbeschwörern. Es hieß, er könne sich mit Schlangen auf eine magische Art verständigen. Der Sultan verlangte nach dem Prinzen, versprach ihm Gold und alle Reichtümer, die er sich vorstellen konnte, wenn er den langen Weg nach Aldhahab auf sich nehmen und sich dem Monster stellen würde, das Prinzessin Paula verschleppt hatte.

Das vergilbte Pergament, das nach exotischen Gewürzen duftete und mit einem fremden Siegel versehen war, erreichte Prinz Wesley völlig unerwartet. Mit tief in die Stirn gezogenen Brauen las er die schwungvollen Wörter in schwarzer Tinte, die sich zu einer verzweifelten Bitte zusammensetzten. Zwar hatte das Königreich seines Vaters keine guten Beziehungen nah Aldhahab – doch umso mehr zu Schlangen.
Die Gabe, mit diesen listigen und stolzen Tieren in ihrer Sprache, Parsel, zu kommunizieren, war ihm in die Wiege gelegt worden und begleitete die Familie Boone seit unzähligen Generationen. Wesley wusste, dass nur er eine Chance hatte, die Prinzessin zu befreien. Dort wo Schwerter und Streitäxte versagten, konnten Worte manchmal Wunder bewirken.
Also machte sich der tapfere Prinz auf die Reise, durchquerte sein eigenes Land und vier weitere, bis er in den Sonnenfluten des morgenländischen Königreichs ankam. Inzwischen war die Prinzessin bereits einen ganzen Vollmond lang verschwunden und der fremde Prinz war die allerletzte Hoffnung darauf, sie zu finden oder wenigstens herauszufinden, was mit ihr geschehen war. Nachdem er sich mit Speisen und Tee gestärkt hatte, machte sich der Schlangenflüsterer am Abend auf den Weg. Die Spuren der Schlange waren inzwischen vom wehenden Sand bedeckt und kaum mehr sichtbar, doch die ersten verschwundenen Krieger hatten den Weg mit langen Holzspeeren markiert, in der Hoffnung, diese würden ihnen helfen, zurückzufinden, nachdem sie die Schlange besiegt hatten.

Auf dem Rücken eines Dromedars ritt der Prinz durch die Wüste. Der heiße Wind peitschte ihm ins Gesicht, die feinen Sandkörner fanden ihren Weg in seine Kleidung. Doch bald schon senkte sich die Sonne und machte Platz für einen tiefschwarzen Nachthimmel, in dem die Sterne funkelten wie Fenster zu einem unendlichen Licht. Felsige Berge erschienen am Horizont und kamen immer näher. Prüfend kniff Wesley die Augen zusammen, als er etwas entdeckte, das selbst die ersten Hügel überragte: Ein steinerner Turm, kaltweiß angestrahlt vom vollen Mond, umschlungen von einer riesenhaften, länglichen Silhouette. Mit hämmerndem Herzen trieb Wesley sein Dromedar zur Eile an, doch das Tier wehrte sich. Es hatte die Schlange ebenfalls erkannt und verweigerte seinen Dienst. Der Prinz stieg ab und kämpfte sich die letzte Meile selbst durch den tiefen Sand, der jeden seiner Schritte verschluckte und ihn rasch die Kraft verlieren ließ.

Vorsichtig ging er auf den Turm zu und zwang sich, ruhig zu atmen. Die riesige Schlange hatte ihren Körper um die grobe Fassade geschlungen und schien sich auszuruhen. Ihre Schuppen glänzten im kalten Licht wie tausende kleine Spiegel. Wesley blieb stehen. Er schluckte und legte den Kopf in den Nacken, um den gesamten Turm zu überblicken. Dass das Geschöpf ihn zu bewachen schien, konnte ein Zeichen dafür sein, dass die Prinzessin noch lebte.
„Schlange!“, sagte Wesley laut und bestimmt in der Sprache der Schlangen, die aus Zischlauten bestand. Ein Ruck ging durch den langen, kräftigen Körper des Wesens, das sich nun bewegte. Geschmeidig und elegant erschien ein Schlangenkopf hinter den Mauern des Turms. Stechend gelbe Augen starrten auf den kleinen Menschen hinab, der sich keinen Zentimeter mehr rührte. Die Schlange schien nicht ganz zu verstehen, was vor sich ging. Verwirrt blinzelte sie, ließ die gespaltene Zunge zischend aus ihrem Maul hervorschnellen, das sie sogleich weit aufsperrte. Zähne, spitz wie Dolche und lang wie der ganze Körper des Prinzen blitzten daraus hervor. „SCHLANGE! Haltet ein!“, schrie Wesley nun mit bebender Stimme und Schweißperlen auf seiner Stirn. Das Geschöpf hielt tatsächlich inne. Es schloss zögerich sein beängstigendes Maul und blinzelte erneut. „Hast du gerade zu mir gesprochen?“, fragte es und neigte ungläubig seinen monströsen Kopf. Prinz Wesley nahm einen tiefen Zug der klaren Nachtluft und sah zu den stechend gelben Augen hinauf, deren neugieriger Blick über ihn hinweghuschte. „Das habe ich. Mein Name ist Wesley Boone, Prinz von Serpentina. Ich habe, wie meine Vorväter, die Fähigkeit, mit Geschöpfen deiner Art zu sprechen.“ Sein Herz klopfte inzwischen bis zu seinem Hals. Er hatte in seinem Leben schon unzählige Schlangen gesehen – doch niemals eine dieser Art.

„Wie ist dein Name?“, fragte er hastig, als er den Kopf des Wesens näherkommen sah. Die Aggressivität war aus dessen Blick gewichen. Neugierig züngelte es vor sich hin, als sich sein Körper langsam vorwärts bewegte um den Menschen im Sand besser zu begutachten. „Man gab mir den Namen Jalad Almas. Was suchst du hier, Mensch? Möchtest du in einen Mistkäfer verwandelt werden, wie die törichten Männer vor dir?“ Der massive Körper der Schlange legte sich sanft in den Sand und schlängelte sich um Wesley herum, der jede Bewegung genau im Blick hatte. Beschwichtigend hob er die Hände, drehte sich um seine eigene Achse, um die Augen der Schlange beobachten zu können. „Ich bin nicht mit der Absicht hier, dich zu töten. Ich möchte lediglich mit dir reden, Jalad Almas.“, sagte der Prinz mit ruhiger Stimme, obwohl die Aufregung ihm ins Gesicht geschrieben stand. Er hatte bereits im Pergament des Sultans erfahren, dass die Schlange riesig sein musste – doch mit solchen Dimensionen hatte er nicht gerechnet. „Lebt Prinzessin Paula noch?“ Die Schlange gab etwas von sich, das beinahe an ein Lachen erinnerte. Dann züngelte sie freudig vor sich hin, während sie eine tiefe, kreisförmige Spur in den Sand zog. „Sie lebt, in der Tat… Sie sitzt da oben im Turm… piept vor sich hin und schlägt mit ihren kleinen, verkümmerten Flügeln.“ Wie vom Donner gerührt starre der Prinz das fremdartige Geschöpf an. Sein Kopf versuchte fieberhaft und letztendlich erfolglos, diesen Worten einen Sinn zu geben. „Flügel?“ „Ich verwandelte sie in einen Vogel!“, zischte die Schlange und hob triumphierend ihren Kopf, ehe sie neben Wesley liegenblieb, den Blick auf den Turm gerichtet, der in den Nachthimmel ragte. „Ich sehe deine Verwirrung, Prinz. Lass mich dir meine Geschichte erzählen. Ich verlange nicht von dir, dass du mein Handeln verstehst, immerhin bist du ein Mensch… Aber wie es der Zufall will habe ich gerade Zeit und du sprichst meine Sprache.“ Der bohrende Blick der Schlange schnellte auf den Prinzen zurück, der mit geweiteten Augen im Sand stand und nicht fassen konnte, was das Wesen ihm offenbarte. „Einst lebte ich, als kleine, zufriedene Schlange, im Regenwald. Dort wurde ich geboren und fühlte mich wohl. Eines Tages, als ich seelenruhig am Ast eines Baumes hing und auf Vögel spähte, kam ein Mensch angeschlichen. Ich wollte fliehen, doch er packte mich und steckte mich in einen Korb. Unzählige Tage und Nächte verbrachte ich darin in Dunkelheit und Einsamkeit und als mich der Mensch wieder hervorholte, war ich hier – in Aldhahab. In der größten Trockenheit und Hitze, die ich je erlebt hatte. Panisch versuchte ich zu fliehen, doch ich war klein und geschwächt. Ein anderer Mann kam und tauschte mich gegen goldene Münzen ein. Er nahm mich mit in sein Haus richtete einen Holzstab auf mich. Ein Licht entflammte und ich wuchs, wurde groß und schön. Der Stab erlaubte es ihm, die Kontrolle über mich zu erhalten, und so musste ich grauenvolle Kunststücke vor anderen Menschen aufführen. Ich erlitt Schmerzen und Qualen, die Sonne verbrannte meine Haut und war bereits völlig erschöpft, doch der Mann verlangte immer mehr von mir. Die anderen Menschen applaudierten, sie gaben ihm Münzen und bald kamen sie von weit her, um ihn, den größten Schlangenbeschwörer und mich, die exotische Schlange zu bewundern. Er gab mir meinen Namen Jalad Almas; es bedeutet Haut aus Diamanten. Ich brachte ihm Ruhm und Ehre – doch zu welchem Preis?“ Langsam schüttelte die Schlange ihren riesigen Kopf, ihre Augen funkelten wie Bergkristalle im Mondschein. „Der Mann bekam nicht genug. Er ließ mich mit Hilfe seines Zauberstabes weiter wachsen, gab mir übernatürliche Kräfte. Ich konnte Feuerfunken spucken und irgendwann ließ er mich Datteln verschlucken, die ich dann als Taubenküken wieder ausspucken musste. Je öfter er diese Zauber anwendete, desto größer und mächtiger wurde ich, und, natürlich ging es irgendwann schief. Ihr Menschen seid getrieben von Habgier. Der Mann überschätzte seine Fähigkeiten und badete mich in einem Trank. Ich hörte nicht mehr auf zu wachsen und passte bald nicht mehr in meinen Käfig, doch dem Mann gefiel es in seinem Größenwahn. Außerdem erlangte ich die volle Kontrolle darüber, in was ich die Datteln verwandeln wollte und irgendwann konnte ich selbst die Gestalt von Lebewesen verändern, ohne sie zu verschlucken. Leider nicht meine eigene Gestalt. Das wäre zu schön gewesen.“ Die Zunge der Schlange schnellte aufgebracht nach vorne, ehe sie wieder begann, ihre Kreise zu ziehen. „Groß und mächtig wie ich geworden war, floh ich eines Abends aus dem Haus und sah nie wieder zurück. Die Menschen würden Angst vor mir haben und versuchen, mich zu töten. Denn sie töten alles, was ihnen unbekannt und unheimlich vorkommt, nicht wahr, Prinz? Deswegen schlängelte ich mich eines Nachts in die Wüste und fand diesen verlassenen Turm. Viele Tage und Nächte hatte ich Zeit, um nachzudenken. Die Menschen hatten mir mein höchstes Gut, die Freiheit genommen. Und dann noch meine Würde. Also entschloss ich mich, den Menschen in Aldhahab das zu nehmen, was ihnen am Wichtigsten ist – Prinzessin Paula. Ich kann nur nachts aus diesem Turm, weil mir der Sand sonst die Schuppen verbrennt. Ich gehöre nicht hierher! Paula verwandelte ich in einen Pinguin. Denn sie sollte genau das gleiche fühlen, wie ich.“

Wesley, der dem langen Monolog der Schlange aufmerksam gelauscht hatte, blickte zum Fenster des Turms. Die Erleichterung über die Tatsache, dass Paula noch lebte und die absolute Verwirrung darüber, dass sie nun ein Pinguin war, kämpften in seinem Körper um die Oberhand. Überfordert schüttelte er den Kopf, als er sich wieder an Jalad wandte, der sein nächtliches Sandbad schier zu genießen schien. „Wieso ausgerechnet ein Pinguin?“, fragte Wesley, während er fieberhaft darüber nachdachte, wie diese Situation zu lösen war. „Sie sollte sich wie ein Vogel fühlen, eigentlich frei – und doch kann sie nicht fliegen. Sie ist hier hoffnungslos eingesperrt. Wie ich. Sie gehört eigentlich ganz anders hin, in ein anderes Land, einen anderen Kontinent – so wie ich.“ Erneut unterbrach die Schlange ihre Bewegungen und richtete ihren Blick auf den Prinzen, der langsam nickte. „Ich verstehe.“, sagte er knapp, ehe er zögerlich auf sie zuging. „Ich verstehe dich, Schlange. Kein Mensch hat das Recht, dich zu entführen, dich einzusperren und auszunutzen, nur für seinen eigenen Profit.“ Einige Sekunden vergingen in absoluter Stille, bis die Schlange nachdenklich den Kopf senkte. „Du verstehst mich, Prinz?“ „Das tue ich. In meinem Königreich verehren wir die Schlangen. Wir bewundern ihre Listigkeit und Stärke und respektieren ihre Freiheit. Ich kann nicht gegen dich kämpfen, und das will ich auch nicht, denn Fäuste und Waffen lösen keine Probleme, sie schaffen nur neue. Genau wie Rache. Sag mir, fühlst du dich besser, seit Paula in diesem Turm ihr Dasein fristet und nach Hilfe ruft?“ Die Schlange zögerte sichtlich, ehe sie den Kopf schüttelte. „Nein. Ich habe neues Leid geschaffen, und mein Eigenes dadurch nicht gelindert. Dennoch, die Menschen müssen dafür büßen, dass sie mich bis zu meinem Tod in diese Lage gebracht haben – ich bin gefangen vom heißen Wüstensand und kann nirgends mehr hin.“

Wesley atmete tief ein und aus, ehe er sich der Schlange vorsichtig näherte. Eindringlich musterte er sie, ihre glänzenden Schuppen, ihr betörend schönes Muster und die gelben Augen, aus denen Verzweiflung sprach. Er räusperte sich. „Lässt du die Prinzessin gehen, wenn ich dir helfe, zurück nach Hause zu kommen?“, fragte er dann mit fester Stimme und hielt dem Blick der Schlange stand. Diese schien einige Momente zu überlegen, wie dieser kleine Mensch das anstellen wollte. „Hast du etwa auch so einen Zauberstab?“, stellte sie schließlich ihre Gegenfrage und beobachtete jede einzelne Bewegung des Prinzen. Langsam nickte dieser, griff in die Tasche seines Leinenumhangs und zog einen Stab aus Eschenholz hervor. „Wenn du die Prinzessin zu mir bringst, in ihrer ursprünglichen Gestalt, werde ich versuchen, dich zu schrumpfen. Dann nehme ich dich mit in mein Königreich der Schlangen, wo du für immer ein gutes Leben führen und dir deinen eigenen Namen geben kannst. Ich verspreche es dir, bei allem, was mir heilig ist.“ Hoffnung flammte in der Schlange auf, es war deutlich zu sehen. Wesley beobachtete, wie sie kurz überlegte und dann eifrig nickte. Bittend richtete sie ihre Augen auf ihn. „Ich habe nichts zu verlieren. Vielleicht hat das Schicksal dich zu mir gesandt, um mir zu zeigen, dass nicht alle Menschen schlecht sind.“

Mit diesen Worten schlängelte sie sich auf den Turm zu, schlang ihren kolossalen Körper um die Mauern und glitt durch eines der riesigen Fenster hinein. Der Prinz stand unten im Sand, lauschte seinem rasenden Herzen und aufgeregten Flügelschlägen, gefolgt von einem Schnattern, das sich sodann in eine weibliche Menschenstimme wandelte. Die Prinzessin schrie und rannte zu einem der anderen Fenster. „Paula!“, brüllte Wesley, als er das fein gezeichnete Gesicht der Wüstenprinzessin sah. Mit panisch geweiteten Augen starrte sie zu Wesley hinunter, der beschwichtigend die Hände hob. „Paula, es wird alles gut! Die Schlange hilft dir hinunter!“ Besagtes Riesenwesen lag ruhig da und wartete, bis sich die Prinzessin beruhigt hatte, was eine Weile und viel Überzeugungsarbeit von Seiten des Prinzen benötigte. Letztendlich ließ sich das entführte Mädchen auf dem Rücken der Schlange aus dem Turm tragen und kam vor Wesley zum Stehen. Warmer Wüstenwind spielte mit ihren langen, schwarzen Haaren, als sie ihm um den Hals fiel. „Wer bist du? Wie hast du das gemacht?“, fragte sie, als sie sich wieder gelöst hatte. „Ich heiße Wesley. Und… Manchmal muss man einfach nur zuhören!“, antwortete er, noch während er seinen Zauberstab hob und ihn auf die Schlange richtete, die ihn erwartungsvoll anblinzelte. „Einem Tier seinen Stolz zu rauben endet immer schlecht – oder in einer Katastrophe, so wie hier.“ Kaum hatte er seinen Satz beendet, folgte ein Zauberspruch, eine mächtige Kraft, die den Sand erschütterte und ein blendendes Licht. Die monströse Silhouette der Schlange verkleinerte sich und zog sich zusammen, bis die sie dort im Mondlicht lag, vielleicht noch ein paar Armlängen lang – wie eine normale Schlange. Züngelnd hob sie ihren kleinen Kopf und blickte Prinz Wesley und Prinzessin Paula mit gelben Augen an, die weniger bedrohlich und viel sanfter erschienen.

„Ich hoffe, ihr haltet Euer Versprechen, Prinz.“, erklang die Stimme des kleinen Reptils, als es sich von Wesley hochheben ließ. Jener beobachtete die Schlange mit seligem Lächeln auf den Lippen, das nur seine geliebten Schlangen aus ihm herauszukitzeln vermochten. „Das werde ich. Als Dank für deine Güte und deinen Mut, mir dein Vertrauen zu schenken.“, sagte er in Parsel. Paula starrte den Prinzen von der Seite an, während sie sich auf den Weg durch die Wüste machten, deren Sand im strahlenden Mondlicht glitzerte wie die Sterne über ihnen. „Du… du hast mit dieser Schlange geredet?“, fragte sie, ihre Stimme erschöpft und voll Verwirrung. „So viele haben vor dir versucht, mich aus dem Turm zu befreien, aber die Schlange hat sie alle verwandelt… Wie… wie hast du es bloß geschafft?!“

Das Lächeln des Prinzen wandelte sich langsam in ein Grinsen um. Sein Blick wanderte von der Schlange zu Paula, deren braune Augen auf ihm ruhten. „Weißt du, manchmal muss man einfach zuhören, Prinzessin… Das ist der Anfang von Allem.“ Alle drei kehrten zusammen nach Aldhahab zurück, jeder einzelne von ihnen selig vor Zufriedenheit. Prinzessin Paula war glücklich, endlich ihre Pinguingestalt losgeworden zu sein; die Schlange freute sich auf ein Leben in Ruhe und Freiheit und Prinz Wesley verspürte, wie so oft, pure Dankbarkeit für seine Fähigkeiten als Parselmund. Er würde all die Reichtümer, die der Sultan ihm versprochen hatte, nicht annehmen, denn in seinem eigenen Königreich hatte er wenig Verwendung dafür.

Die größte Belohnung war die Unversehrtheit der Prinzessin und die gerettete Schlange, die nie wieder von einem Menschen eingesperrt und unterdrückt werden würde. Und das alles, weil ein Prinz so mutig gewesen war zu reden, anstatt zu kämpfen.

Dies ist auch die Moral des Märchens der Wüstenschlange: Worte sind unsere mächtigsten Waffen. Nur wer sich ihrer bedient, kann retten. Und nur wer sich ihrer bedient, kann gerettet werden.

 


 

Du musst dich anmelden, um kommentieren zu können.
Freya Lightgow

Freya Lightgow *klatscht begeistert für Ryan* Herzlichen Glückwunsch! :D

Sascha Snow

Sascha Snow Eine echt tolle Geschichte. Herzlichen Glückwunsch!

Ryan Bold

Ryan Bold Danke euch Allen! ♡ *wischt sich eine Träne weg*

Alynja Weidenau

Alynja Weidenau Wow, ein beeindruckend schönes Märchen, Ryan! *-* Ganz herzliche Glückwünsche auch von mir! Hat Potenzial auch für deine Feindschaft mit einer gewissen Schlange... Ich bin gespannt ;)

Azure Guillermin

Azure Guillermin So verdient. ♡

Jan Parker

Jan Parker Herzlichen Glückwunsch, Großer! Bin super stolz auf dich! :D

Adalia Maywood

Adalia Maywood AAAAAH! Darling! Lass dich ansehen! Wundervoll, Herzlichen Glückwunsch mein Liebster!!!

Treffpunkt für Potterheads

Werde Teil des fantastischsten Online Harry Potter-Universums und triff viele nette und freundliche Leute, die die gleichen Interessen wie du haben. Wir heißen dich mit offenen Armen willkommen!

Hier Einschreiben

Sei immer auf dem neuesten Stand