Wunschstatus [Gewinner]
Nach langem Warten verkünden wir heute den Gewinner des Wunschstatus! Na, gespannt?

- Von : Cole Havering



Liebe Zauberer und Hexen!

 

Willkommen im Jahr 2019!
Letztes Jahr (man ist das lange her!) haben wir dazu aufgerufen uns eure Weihnachtsgeschichte in der Grinch-Edition zu schicken. Ganze 29 Einsendungen konnten unsere Eulerei ereilen.
Eine achtköpfige unparteiische Jury hat in 5 Kategorien Punkte von 1 - 10 vergeben. Somit konnte man eine Punktzahl von 400 erreichen!

 

original.gif
 

Folgende Personen saßen in der Jury:

Cole Havering, Gabriel Nightmare, Emilia Vulpis, Eyvor Jul, Irvine Kirkcaldy, Hemlock Vargsson, Liva Gallagher und Jenny Brooks

 

Folgende Kategorien wurden bewertet:

Kreativität - Wie kreativ ist der Kerngedanke der Einsendung?
Realismus - Verhalten sich die Charaktere ihrem Alter entsprechend? Könnte das so in der magischen Welt passieren?
Aufbau - Ist die Handlung logisch aufgebaut? Gibt es evtl. zu viele Gedankensprünge oder ist es schwer, der Geschichte zu folgen?
Schreibstil - Ist der Text angenehm zu lesen? Gibt es Wiederholungen? Wie ist der Satzbau?
Persönlich - Persönliches Bauchgefühl


Viele Einsendungen kamen den 400 Punkte ziemlich nahe:

Platz 3 mit 334 Punkten geht an Nova Lii - du erhältst eine Kleinigkeit aus unserer SoMe-Schatztruhe!
Platz 2 mit 354 Punkten geht an Falia Langcaster - auch du erhältst eine Kleinigkeit aus unserer SoMe-Schatztuhe!

Der 1. Platz mit 365 Punkten geht an:

Elza Lockser

Du bist nun stolze Besitzerin des Metamorphmagus-Status! Nutze deinen Status weise und erlebe nun noch spannendere Abenteuer in der Welt von Hogwarts!

Im gleichen Zuge wollen wir uns für alle anderen Einsendungen bedanken, ihr wart alle klasse! Lasst den Kopf nicht hängen, Status-Gewinnspiele werden wie gewohnt regelmäßig erscheinen.
Wer seine genaue Punktzahl und die Platzierung erfahren möchte kann gerne eine Eule an Emilia Vulpis oder Cole Havering schicken.

 


Zu guter letzt wollen wir euch die Gewinner-Einsendung natürlich nicht vorenthalten:
 

 

 


“So und nun ab ins Bett!”, ertönte eine sanfte Stimme, als die Kinder aufblickten. Sie saßen vor dem weihnachtlich geschmückten Tannenbaum, ausgepackte Geschenke in den Händen, während sie umringt waren von aufgerissenem Geschenkpapier in den verschiedensten Farben und Mustern. “Aber wir sind noch gar nicht müde”, protestierte der Älteste und blickte zu seiner jüngeren Schwester, welche eifrig nickte. “Und was ist mit der Weihnachtsgeschichte?”, fügte sie noch hinzu, ihre piepsige Stimme ließ ihre Frage fast noch niedlicher wirken. “Wenn ihr euch schnell bettfertig macht, gibt es eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte!”, schlug die Mutter vor und grinste ihre Kleinen an, die nur aufgeregt nickten und sich ein Wettrennen lieferten, wer zuerst bettfertig im Zimmer wartete. “Na, wer war zuerst fertig?”, fragte die Mutter, als sie mit einem Buch das Kinderzimmer betrat. “Ich!”, riefen beide gleichzeitig und ließ die Mutter nur schmunzelnd ins Zimmer eintreten. Als sie sich aufs Bett setzte kuschelten sich beide Kinder von beiden Seiten an und blickten auf das Buch. “Das ist meine Lieblingsgeschichte!”, rief die Jüngste, als die erste Seite aufgeschlagen wurde. “Seid ihr nun bereit?”, fragte sie vorsichtshalber und erntete ein übereifriges Nicken ihrer beiden Goldstücke. “Nun gut! Es war einmal…”

 

...ein junges Mädchen namens June. June Drasett, welche diese Weihnachten allein auf Hogwarts verbringen sollte, anstatt mit ihrer Familie in ihrem vertrauten Heim im Norden Irlands. Wieso fragt ihr euch? Nun fangen wir doch einmal von vorne an.

Ein kurzes Blinzeln und schon war das Unheil angerichtet worden. June war wach. Hellwach, ohne jegliche Chance wieder in die wundervolle Traumwelt zu fliehen. Fliehen?
Fliehen! Vor Weihnachten.
June war kein Fan von Weihnachten. Und das war sichtlich noch eine Untertreibung. Die Familie Drasett behandelte schon seit Generationen eine Tradition, welche nur an Weihnachten ausgeführt werden kann. Ein weit entfernter Vorfahre führte jene Tradition ein, welche an seinem Hochzeitstag stattfand, welcher zufälligerweise genau auf den 24.12 fiel. Doch was genau war die Tradition der Familie Drasett und das schon seit Generationen? Zum 15. Geburtstag eines jeden Kindes galt es ein Rätsel zu lösen. Der Gewinn? Das Familienerbstück.
Was dieses war? Das wusste sie leider nicht.
Ziel war es, dieses Erbstück zu finden, bevor die Uhr Mitternacht schlägt am Weihnachtsabend. Ziemlich simpel, wenn es da nicht ein großes Problem gäbe. June war schon 16 und hatte es im vorherigen Jahr nicht geschafft das Rätsel zu lösen. Die Enttäuschung in den bleichen Gesichtern ihrer Familie würde sie wohl kaum so schnell vergessen, was auch dazu führte, dass sie nun in den viel zu festlich geschmückten Hallen von Hogwarts geisterte, statt mit ihrer Familie zu feiern.
Sie setzte sich auf und streckte sich, ihre müden und trägen Augen fielen auf das kleine Stück Pergament neben ihr. Langsam zog sie es zwischen ihre Finger, das Pergament war schon alt, dünn und drohte wirklich in der nächsten Sekunde zu Staub zu zerfallen. Die Tinte war in den Fasern festgesetzt, verblasst, doch das Grundgerüst noch deutlich zu erkennen.

 

Ein tiefes Seufzen verließ die Kehle der Brünetten, als sie sich endlich aufraffte, umzog und mit den langgliedrigen Fingern sanft über den Stoff ihrer Uniform fuhr. Früher hatte sie nicht wirklich etwas auf ordentliche Kleidung gegeben, die Krawatte hing immer lose am Hals, das Hemd war ungebügelt halb in den Rock gestopft, halb draußen gehangen, doch vor allem ihren Zauberstab trug sie in den ersten Jahren immer im Dutt.
Ohne einen Blick in den Spiegel zu werfen, denn das hätte sie nun wirklich nicht riskieren wollen, verließ sie ihr Schlafsaal, Hemd gebügelt, Krawatte fest angezogen. Die kleinen Absätze ihrer schwarzen Lackschuhe klackerten auf dem Steinboden, während June sich in die Richtung der großen Halle bewegte. Die Schritte mit Bedacht gewählt, trugen sich ihre trägen Augen direkt an den Blickfängen der Wände. Dunkelgrün sprießende Tannenzweige verloren sich durch den Gang, pompöse und leuchtende Weihnachtskugeln hingen von ihnen hinunter, umrahmt mit glitzerndem Lametta in allen Hausfarben. Manchmal waren kleine Geschenke in den Zweigen versteckt, die laut Gerüchten eine Kleinigkeit für jeden Schüler beinhalten sollten, doch so wirklich Glauben konnte man Gerüchten niemals schenken. Bei genauerem hinsehen konnte man auch kleine goldene Glöckchen erkennen, befestigt mit kleinen roten Bändern, die so verzaubert waren, dass sie ein kleines Weihnachtslied anfingen zu spielen, sobald jemand vorbeilief!
Und das war allein der Schmuck in den Korridoren, wie er doch nur in der großen Halle aussehen würde, wenn alles festlich geschmückt war!
Richtig.
Es war der absolute Horror.
Während die kleinen Glöckchen Jingle Bells spielten, als June vorbei schritt, wurde ihre Sicht immer verschwommener, ihre Beine sackten langsam ab und sie fing an zu taumeln. Der hochrote Kopf war nur ein Anzeichen dafür, dass sie gerade nur nor rot sah und ehe sie sich versah..

Zog sie ihren Zauberstab heraus und steckte erstmal jeden noch so kleinen Tannenzweig in Brand. Glänzende Weihnachtskugeln fielen wie reife Äpfel von den Bäumen, die Lamettafäden schmolz in den Flammen dahin, sodass sich ein zufriedenes Lächeln auf June’s Lippen bildete, als sie Protestgeschrei und schnelle Schritte vernahm. Einige Schüler kamen auf sie zu und wollten sie aufhalten.
Doch so leicht ließ sich der Drache nicht aufhalten, hielt eine Hand offen, sodass eine Weihnachtskugel hineinfallen konnte. Sie war quietschrot, glänzte wie Lack und schien.. wie das perfekte Wurfobjekt. Einmal ausholen, werfen und zusehen wie die Weihnachtskugel einen Schüler direkt ab Kopf tr--

“Oh, entschuldige!”, riss eine Stimme sie auf ihren diabolischen Fantasien raus, ehe sie in große, erschrockene Augen blickte. Ein Schüler, etwas unter ihrer Augenhöhe, war gegen sie gestolpert und hatte seine ganzen Bücher fallen lassen. Bei genauerem Mustern sah sie, dass es sich um einen Hufflepuff handelte. Natürlich ein Huffie. Dunkelbraune, kurze Haare, eine Brille saß auf seiner kleinen Stupsnase, welche er alle paar Sekunden zurechtrücken musste. Das hatte sie aus ihren befriedigenden Fantasien gerissen? Welch Verschwendung.

Die Augen des kleinen Hufflepuffs lagen stur auf ihr, musterten sie Zentimeter über Zentimeter, während sein Zeigefinger immer wieder an seine Brille rutschte. June konnte nicht anders, als den Kopf schief zu legen, er blickte sie an, als wäre sie ein Monster; was hatte er denn? Konnte er etwa ihre Gedanken lesen, wie sie fantasierte den Weihnachtsschmuck in Flammen aufgehen zu lassen und dass sie dies eventuell in die Wirklichkeit umsetzen wollte? “Kann ich dir helfen?”, kam es nur schnippisch von ihr, als dem Mädchen auffiel, dass sie schon einmal gegen diesen Huffie gestolpert war. Vor ein paar Tagen erst! Er blinzelte sie irritiert an, schüttelte kurz den Kopf und fing sich wohl wieder, da seine Gedanken ihn in eine andere Welt tragen wollten. Diese in-Honig-getränkten Augen starrten sie an, als wäre sie eine neue Kreatur, welche man unbedingt in einem Naturkundebuch datieren musste. June’s Augen hingegen, schlichen sich langsam zum Boden, wo alle Notizen des Hufflepuff Schülers verstreut waren. “Deine Notizen machen sich gut als Fußabtreter.”, kommentierte sie nur kühl, als ein Schüler an ihnen vorbei trat und dabei keinen Bogen um die Notizen machte. “Ach das macht nichts, die habe ich gleich wieder aufgesammelt!”, grinste er, beugte sich runter und sammelte rasch alle losen Blätter ein.
Und June? Krümmte keinen Finger, um dem Hufflepuff-Schüler zu helfen.
“Es ist ja schließlich Weihnachten, das Fest der Liebe! Das sollte man sich von nichts und niemandem verderben lassen!”, fügte er noch hinzu und wieder überkam June jenes komische Gefühl. Ihre Sicht wurde schwummrig, ihre Beine wirkten wie Wackelpudding, als sie nur noch die blanke Hölle vor ihrem inneren Auge sah. “Es findet ein riesiges Weihnachtsfest in der großen Halle statt, heute Abend! Kommst du auch vorbei?”, fragte er dann weiter, richtete sich auf und grinste sie mit seinen rötlichen Bäckchen an. June brodelte innerlich, dachte kaum nach über ihre Handlungen, als sie die Notizen aus seiner mickrigen Hand riss und mit einem kräftigen Schwung durch die Luft schleuderte.
“Weihnachten sollte ausgerottet werden”, knurrte sie ihn nur an, drückte sich an ihm vorbei und ließ ihn einfach stehen. Wer weiß was sie sonst noch getan hätte? Im schlimmsten Falle hätte sie wohl nicht nur den ganzen Schmuck in Flammen gesetzt, sondern den Hufflepuff-Schüler gleich mit.


“June ist so gemein!”, rief der Älteste der Kinder, als die Jüngste protestierte. “Ja! Der Dachs hat ihr doch gar nichts getan!”, rief die Jüngste, worauf die Mutter nur schmunzelte. “Ihr wisst doch wie die Geschichte ausgeht und ihr seht June noch immer als die Böse?”, fragte sie, betrachtete ihre beiden Kinder, welche mucksmäuschenstill wurden. “Nun, dachte ich mir doch! Gehen wir zum nächsten Kapitel in der großen Halle!”


Gegen ein gutes Essen in der großen Halle hatte doch sicherlich niemand etwas einzuwenden. Wenn da nicht all dieser grausige Weihnachtsschmuck wäre. Kleine Tannenzweige, bestäubt mit magischem Schnee, welcher nicht schmolz, beschmückt mit silbernen Glitzerkugeln, bestückten die ganzen Wände der großen Halle. Wenn man hoch an die Decke blickte, konnte man den Schnee erkennen, welcher seicht auf die Schüler rieselte. Kleine Adventskränze in all möglichen Farbvarianten waren auf den Tischen verteilt, kleine Engelchen aus Glas stolzierten über das Mahagoniholz und gaben kleine Konzerte. Der Engelschor war dabei sehr beliebt, auch wenn dieser nie stillhalten konnte und immer schnell über den Tisch hoppelte, während die Engel-Trompetenspieler nur schwer hinterher kamen. Es war wirklich amüsant den Glasengeln zuzusehen, wie sie die Halle in wundervolle Klänge füllten und doch die Schüler zeitgleich noch bespaßten. Doch der größte Blickfang der ganzen Halle war natürlich der riesige Weihnachtsbaum, aufgestellt in der hinter dem Lehrertisch. Die Hauselfen hatten wundervolle Arbeit geleistet, denn der Baum strahlte nicht nur in einer Einheitsfarbe, sondern hatte von allem etwas! Fast schon als hätten sie sich Leprechauns gefangen, um ihren Regenbogen zu nutzen, damit der Baum in diesem Farbspektrum strahlen konnte. Um dem ganzen noch eines drauf zugeben, wurde Glitzer verteilt. Wobei dies noch eine deutliche Untertreibung war, denn der Baum wirkte, als hätte man ihn einmal in Ahornsirup getränkt und dann mit goldenem Glitzerstaub zum ersticken gebracht. Wie wundervoll die Flammen glitzern mussten, sollte June ihren Fantasien freien Lauf lassen und endlich alles abfackeln?
Auch wenn sie all diesen Schmuck hasste, versuchte sie sich zu beherrschen und ihr Essen zu genießen, als sich ein kleiner Glasengel auf ihren Tellerrand absetzte und für sie die Violine spielen wollte. Mit eisernem Blick versuchte sie den Engel zu verscheuchen, doch leider nützte ihr Todesblick nichts.
Wer die erste Warnung nicht verstand, brauchte sich nicht zu wundern! Das dachte June zumindest, holte mit dem Handrücken einmal aus, um den Engel weg zuschlagen, als sie feindselig nach links linste. Einige Schüler fanden den Engelschor so bezaubernd, dass sie sofort einsteigen mussten, und sich die grässliche Halle mit noch lauteren Tönen füllte. Welch guter Zeitpunkt das Weite zu suchen!

Mit einem Grummeln stand der Drache auf, stapfte entnervt, jedoch flink aus der Halle, bevor sie noch schlimmeres anrichten konnte, als nur einen Glasengel weg zuschlagen. Ihr Ziel war ihr Schlafsaal, doch konnte sie schlecht dahin zurück. Immerhin teilte ihr Magen ihr ganz genau mit, dass sie den Tisch zu früh verlassen hatte. Vielleicht ist die Küche ein ruhiger Ort zum Essen?

Die Schuhe mit leichten Absätzen klackerten mal wieder auf dem Steinboden, während June’s Füße ganz genau wussten wo sie lang mussten. Denn ihr Kopf machte kaum mehr mit, dieser war zu beschäftigt damit, die ganze Weihnachtsdeko auszublenden, als sie endlich über die Türschwelle der Küche treten konnte.
Einige Hauselfen erledigten noch letzte Arbeiten, doch die Küche schien zumindest einmal menschenleer zu sein. Welch Glück für die kleine Drasett, die sich sofort am restlichen Essen bediente und an den Tisch setzte, ehe sie anfing zu essen.
Ohne beeinträchtigt zu werden von dem pompösen Weihnachtsschmuck. Ohne nervige Schüler um einen herum.
Ohne grausige Weihnachtslieder, bei welchen man sich wünscht, man würde an einem Hörsturz leiden.
Ohne diesen tollpatschigen Hufflepuff--

Schnelle Schritte rissen June aus ihren Gedanken, sodass sie sofort von ihrem Teller aufblickte und was sie da erspähte, ließ den inneren Drachen wieder aus dem Stahlkäfig raus. Es war der Hufflepuff-Schüler, summend, während er ein heißes Blech trug und auf den Tisch ablegte. Direkt vor ihr. Mit finster dunkelroten Augen starrte sie ihn an, auffordernd zu sprechen, oder am besten gleich den Mund zu halten und einfach wortlos zu verschwinden. “Oh, hallöchen!”, rief er jedoch nur freudig aus, seine roten Bäckchen glühten auf, als sich seine Mundwinkel höher zogen. June reagierte nicht auf seine Worte, entgegnete ihm weiterhin stur mit dem Todesblick, wissend, dass er dies gleich verstehen sollte. Damit lag sie wieder einmal falsch, denn er wich ihrem Blick nur aus, wappnete sich mit Zuckerguss in weihnachtlichen Farben, mit kleinen Zuckerkugeln und was man noch so gebrauchen könnte, wenn man dabei war.. Weihnachtsplätzchen zu dekorieren.

‘Oh Tannenbaum’-summend fing er an die kleinen Tannenbaum-Plätzchen mit grünem Zuckerguss zu begießen, schnappte sich hier und da kleine goldene Kugeln und platzierte diese so, dass sie als Weihnachtskugeln dienen konnten. Der fröhliche Hufflepuff-Schüler bemerkte schnell ihren strengen Blick auf ihm, denn er sah auf und runzelte die Stirn. “Willst du mir beim dekorieren helfen?”

June’s Finger verkrampften sich am Besteck, als sie den Kopf um gerade mal 10° schief legte. Ihr linkes Auge zuckte und ihre Sicht wurde wieder schwummeriger. Sie hasste Weihnachten, doch dass sie in solch einen Wutrausch fallen konnte, war selbst neu für sie. Der Schüler blickte ängstlicher drein, je länger er sie betrachtete, öffnete jedoch dennoch den Mund: “Ich bräuchte.. uhm.. Sterne für die Tannenbäume. Sie.. sie stehen hinter dir, kannst du mir sie geben?”
Kurz dachte June nach, ob sie keine Wirkung auf ihn hatte, dass er es wagte sie weiterhin zu fragen, ob sie ihm helfen wollte. Dieser Gedanke wurde jedoch schnell wieder ins Aus geschossen, als sie erkennen konnte wie sich seine Pupillen stark weiteten. Als wäre er ihr Beutetier, welches nun seinem Sensenmann ins Auge blickte. Mit einem lauten Knarren des Stuhles stand June auf, warf das Besteck mit Wucht zu Boden, ehe sie sich umdrehte und zum Regal lief, wo der Behälter mit den Zuckersternen nur auf seine persönliche Verwüstung wartete. Ihre langgliedrigen Finger schlangen sich um den Behälter, sie drehte sich auf dem Absatz um, begegnete dem Dachs mit einem gruselig freundlichen Lächeln, ihr Arm war dabei ganz ausgestreckt. “Die hier?”, fragte sie, erntete ein breites Grinsen als er nickte. June hatte jedoch ganz andere Pläne. Ihr Handgelenk drehte sich, zeitgleich mit ihrem Lächeln, welches augenblicklich fiel, als die ganzen Zuckersterne ihren Weg aus dem Behälter zum Boden fanden. Auch das breite Grinsen des Dachses verschwand, seine Kinnlade fiel herunter. Perfekt, dachte sich June, welche zum Tisch eilte, die Plätzchen in die Hand nahm und ausholen wollte, um den Schüler damit abzuwerfen. Der Mittelpunkt ihrer Zielscheibe: sein offener Mund.
Ihr Arm steckte sich nach hinten und--

“Ich bin übrigens Peter. Peter Higgs. Und wie heißt du?”, zerrte Peter’s Stimme sie erneut aus ihren Fantasien. Kurz irritiert schüttelte June wieder den Kopf, merkte wie sie wieder in der Realität angekommen war. Die Zuckersterne waren nach wie vor im Behälter, die Plätzchen lagen noch auf dem Blech und flogen nicht durch die Luft und das Besteck befand sich noch immer in ihren Händen. Doch noch immer war auch der Hufflepuff-Schüler da. Ein kurzes Augenrollen, das Besteck legte sich zurück auf den Tisch, ihre weißen Knöchel bekamen wieder etwas Farbe, als sie einmal mit dem Kiefer knackte. “June Drasett.”, antwortete sie knapp, setzte ihre Hand an ihrer Krawatte an und lockerte diese ein wenig. Es wurde doch etwas warm in der Küche, oder diese Hitze lag an jenem Drachen, welcher wieder in den Stahlkäfig gezwungen wurde. “Freut mich dich kennenzulernen June! Entschuldige nochmal, dass ich vorhin gegen dich gestolpert bin, ich bin einfach manchmal ein totaler Tollpatsch, weiß dann nicht mehr wo rechts und links ist und kann mich dabei wohl kaum mehr auf meine eigenen Füßen verlassen, denn diese setzen manchmal einfach komplett aus!”, sprach er drauf los, ohne Punkt und Komma, doch June’s Aufmerksamkeitsspanne war nicht wirklich groß bei Peter, weshalb sie einfach versuchte wieder etwas zu essen und hoffte, dass er nicht darüber schwärmt wie toll Weihnachten doch ist, denn sonst würde sie wirklich Bogenschießen üben mit seinen Plätzchen und ihn dabei als Zielscheibe missbrauchen.
“..und so habe ich meine Katze Naomi verloren, nur um sie wieder in meinem Bett zu finden!”, beendete er lachend seinen Monolog, welcher sich gefühlt auf 42 Stunden zog. June nickte nicht mal beschwänglich, so wie sie es immer tat, wenn sie versuchte anderen vorzuspielen, dass sie total aufmerksam war. Nein, sie schenkte ihm absolut keine Aufmerksamkeit und hoffte, dass er gleich diese verdammten Plätzchen fertig dekoriert hatte, dass er abzischen konnte. “..ich war da noch total in Gedanken versunken wo meine kleine Naomi ist, als ich an diesem komischen Fenster vorbeikam. Ich hatte es wirklich noch nie gesehen, aber die bunten kleinen Glasscheiben! Wunderschön, ich sag es dir!”, faselte er weiter und June rollte nur mit den Augen. Konnte er seinen Mund nicht einfach mit Keksen stopfen, anstatt ihn mit Worten zu leeren? “Bei genauerem Hinsehen konnte man dann eine Gans erkennen! Oder war es doch ein Schwan? Jedenfalls hatte dieser eine Blume im Schnabel, ich glaube die nennt man Osterglöckchen?”, fügte er hinzu und sofort wurde June hellhörig. “Was?”, unterbrach sie ihn, setzte sich aufrecht hin und blinzelte ihn verwirrt an. Peter hörte auf mit seiner Amateur-Dekorationsstunde und betrachtete June stirnrunzelnd. “Na ein Schwan, der eine Blume im Schnabel hat”, wiederholte er. June musste kurz schlucken, kramte schnell das kleine Stück Pergament aus ihrer Tasche in der Robe und fuhr mit den Fingern nochmal rasch über die Zeilen, nur um sich sicher zu sein, dass sie richtig lag. Und tatsächlich!
“Wo war das Fenster?!”, rief sie sofort aus, faltete das Stück Pergament wieder und schob es zurück an den sicheren Ort. “Ich.. uhm.. in der Nähe der Bibliothek..”, stotterte er, June zog die Augenbrauen zusammen und erhob sich von ihrem Stuhl. “Magst du mir zeigen wo das sein soll?”, presste sie zwischen ihren Lippen hervor, mehr herumkommandierend, als eine nette Bitte. Sie musste zu diesem Fenster gelangen und wenn Peter ihre einzige Chance dazu war, dann sei es so.


“June nutzt ihn ja nur aus!”, rief der Älteste der beiden Kinder, sodass die Mutter nur schmunzelnd auf ihren Sohn herabblickte. “Und er macht das nur, weil er solche Angst vor ihr hat!”, fügte er hinzu, als die Tochter das Wort ergriff: “Das stimmt nicht, er ist doch total nett zu ihr gewesen!” Doch der Junge schüttelte nur den Kopf und legte seine Zeigefinger gegen seine Schläfen, sodass sie von seinem Kopf empor stiegen. “Er hatte nur Angst vor ihren Hörnern! Ich hätte auch Angst vor ihr, sie sieht ja aus wie ein Monster!”, ärgerte er seine Schwester ein wenig, welche sich sofort aufsetzte. “Verrat doch nicht immer das ganze Buch!”, rief sie empört aus, worauf der Junge wieder zu kontern wusste: “Du kennst das Buch doch schon auswendig!” An dieser Stelle schritt die Mutter ein und hob das Buch leicht an. “Nun benehmt euch und hört zu! Immerhin wollt ihr die Geschichte zuende hören und nicht jetzt schon ins Bett müssen, hab ich recht?”, ihre Stimme war mahnend angelegt und zeigte auch sofort Wirkung, denn die Kinder wurden wieder still und kuschelten sich an ihre Mutter an.


“Hier müsste es irgendwo sein”, murmelte Peter, als sie durch einen kleinen Gang in der Nähe der Bibliothek liefen. June selbst war noch nie in diesem Gang und hatte ihn vorher auch nie bemerkt. Doch wenn der Schwan mit dem Osterglöckchen wirklich hier war.. musste das Erbstück es dann nicht auch sein? Doch gleichzeitig machte dies kaum Sinn, denn warum sollte das Erbstück auf Hogwarts sein und nicht in ihrer Heimat?
Fragen über Fragen, welche June nicht beantworten konnte, denn ihre Aufmerksamkeit glitt zu farbigen Lichtern an der Wand. Sofort schwang ihr Blick rüber und erspähte das Fenster. Mit schnellen Schritten wagte sie sich an dieses heran und.. Peter hatte recht! Es war wirklich ein Schwan mit einem Osterglöckchen! Doch.. wo war dann nun das Erbstück? June fing an wie wild, fast schon hysterisch zu suchen, der Gang war ziemlich leer, es befanden sich lediglich einige Regale mit Artefakten und ein Schrank mit alten Auszeichnungen dort. Vielleicht war dieser Gang eine Art Rumpelkammer, weil die Hauslehrer nicht wussten wohin mit all diesem alten Krempel? June ergriff alles, was sie in die Finger bekam, hob es hoch, schob es zur Seite, sprang, bückte sich, doch.. es war nichts zu finden. Egal wie oft sie im Kreis rannte, als wäre sie von einem Billywig gestochen, es ließ sich kein Hinweis blicken.
Das hier schien ein ungenutzter Gang zu sein, mit nichts als leeren Versprechungen. Oder besser gesagt: Hoffnungen, welche sich in Luft auflösten.
June war gerade auf allen Vieren gekrabbelt, um unter der Vitrine mit alten Auszeichnungen nachzusehen, doch außer Staub und Spinnenweben war hier definitiv nichts zu finden. Etwas enttäuscht rappelte sich die kleine Drasett wieder auf, ihre Muskeln entspannten sich, die Schultern hingen tiefer als sonst. Sie fiel für einen Augenblick in eine Art Trance, wurde sie also doch von einem Billywig gestochen?
Sie stand mitten im Gang, starrte nur auf das wunderschöne Farbenspiel dieses einen kleinen Fensters und wollte am Liebsten den gläsernen Schwan zerschlagen. Sie wollte ihre Faust heben und auf das Glas einschlagen, diese hoch angesetzten Hoffnungen in Scherben legen, doch sie stand einfach nur da. Ihre trockenen Mundwinkel zogen sich etwas nach unten, keine diabolische Fantasie strömte vor ihrem inneren Auge vorbei, sie war einfach still.
Natürlich befand sich das Erbstück nicht hier, sie war hier auf Hogwarts, wieso sollte es hier sein?
“June?”, fragte Peter, welcher noch immer wie angewurzelt dabei stand und dem ganzen Schauspiel stumm zugesehen hatte. Sie hatte total vergessen, dass er bei ihr stand und hatte ihn ausgeblendet. Auch jetzt, nachdem er ihren Namen aussprach, ignorierte sie ihn. Er musterte sie einfach genau, ihm fiel auf, dass ihre Ohren etwas größer waren, als es normal für einen Menschen schien. Je länger er sie anstarrte, desto eher erkannte er wie ihre Haare in diesem fahlen Licht schimmerten. Als wären sie in ein tiefes und dunkles Meerblau gelegt worden.
June’s Brustkorb erhob sich stark, sie schloss ihre Augen und atmete tief durch, ehe sie sich zu Peter drehte. Dieser blinzelte nur irritiert wo das schimmernde Blau in ihren Haaren verschwunden war, rieb sich die Augen und schüttelte kurz den Kopf. Hatte sein Verstand einen Streich mit ihm gespielt? Er wollte gerade seinen Mund aufmachen, als June ihm einen vernichtenden Blick zuwarf, ihre Lippen dabei jedoch nicht öffnete, sondern einfach an ihm vorbeitrat, und ihn stehen ließ. Er war nun nicht mehr von nutzen für sie, sie konnte sich also genauso gut zurückziehen.


“Sag ich doch sie ist gemein! Sie nutzt ihn nur aus!”, rief wieder der älteste Sohn, als die Tochter sich aufsetzte. “Nein! Hast du nicht zugehört? Ihre Haare waren blau, das heißt sie war traurig! Sie hatte auch keine bösen Gedanken mehr!”, konterte sie und streckte ihm besserwisserisch die Zunge raus. Der Junge verschränkte nur beleidigt die Arme und ließ sich wieder zurückfallen, während die Mutter ihm langsam durch die Haare fuhr und leise auflachte, ehe sie das nächste Kapitel ansetzte, welches sich in der großen Halle abspielte.


June war verdammt schlecht gelaunt. Dieser ganze Weihnachtsschmuck war nur der Einstieg in die aufbrodelnde Wut gewesen, Peter reizte es immer weiter aus, doch nun war sie einfach nur niedergeschlagen. Sie hatte sich zu große Hoffnungen gemacht das Erbstück zu finden und.. eventuell dachte sie auch daran, dass sie dann wieder unter die Gesichter ihrer Familie treten könnte. Die geschockten und bleichen Gesichter ihrer Eltern konnte sie niemals vergessen. Dieses Bild von purer Enttäuschung hatte sich in jede noch so kleine Zelle ihres Gehirns gebrannt. Sie wollte jenes Bild verbannen, doch dazu musste sie das dämliche Ding finden. Auch wenn sie ein Jahr zu spät dran war, gefunden war doch gefunden oder? Br> June seufzte auf. Schließlich hatte sie es nicht gefunden und weitere Gedanken daran zu verschwenden sollte jetzt nicht auf ihrer Liste stehen. Gedankenverloren saß die Kleine mitten in der großen Halle.
Abendessen stand an und danach würde jenes Weihnachtsfest stattfinden, welches Peter erwähnt hatte. Sie würde nicht daran teilnehmen.
Ihre Augen schoben sich einige Male von links nach rechts, es war nicht zu übersehen, dass die anderen Schüler weit weg von ihr saßen. Nicht einmal die Glasengel wagten sich näher an sie, denn ihre Aura strahlte schon pures Chaos und Tobsucht aus. Die zierlichen Hände legte June auf den Tisch und sank ihr Kinn langsam auf ihre Finger. Den Blick hatte sie starr auf den Kamin gerichtet, das Feuer zog ihre Augen in den Bann. Die Flammen wirkten fast schon einladend einfach den Zauberstab zu zücken und das ganze Weihnachtsfest für alle zu sabotieren. Die Kugeln und Glasengel gegen die Wand zu schmeißen, mit einem Grinsen beobachten wie sie zerbrechen. Genau wie auch die Freude der anderen zerbrechen würde. Die Plätzchen würde sie zwischen ihre Krallen nehmen und zerbröseln lassen. Dass man sie später dazu verdonnerte die ganze Halle zu putzen, da alles wohl oder übel verkokelt sein würde; damit musste sie nunmal rechnen. Doch würde es sich definitiv lohnen. Sie konnte es nicht genießen, wieso sollten es die anderen genießen?
Bevor sie sich jedoch in weitere Fantasien ziehen lassen konnte, schrak sie auf, als ein kleines grünes Päckchen vor ihre Nase gelegt wurde. Etwas irritiert blinzelte June das Päckchen an und schwang den Kopf dann zu ihrer rechten.
Peter.
Seine roten Bäckchen und die runterrutschende Brille würde sie überall erkennen können. “Was ist das?”, fragte sie, ihre Stimme war kühl, als seine Lippen sich zusammenpressten. “Ein kleines Geschenk für dich”, Peter’s Lippen kräuselten sich in ein kleines Lächeln, seine Bäckchen glühten dunkler auf. “Ich wollte dir eine kleine Freude machen, schließlich ist Weihnachten und du sahst vorhin so traurig aus--”, erklärte er sich, als June ihm einen vernichtenden Blick zuwarf und ihn damit zum Schweigen brachte. Ihre Augen tünchten sich in ein tiefes Schwarz, ihre Haut wurde wärmer und ihre Beine wurden wackliger, als sie sich aufrichtete. Jedoch war eines anders. Ihre Sicht war klar, nicht schwummerig und nicht in Rot getränkt. Allerdings schien sich jenes Rot in ihren Augen zu widerspiegeln und ihre kleinen Hörner auf dem Kopf wuchsen etwas weiter heraus. Peter’s Augen weiteten sich, die blanke Panik sollte ihm ins Gesicht geschrieben sein, doch er betrachtete June einfach. Fasziniert und etwas ängstlich zugleich. “Ich sah traurig aus?!”, rief sie dann plötzlich, schob die angespannten Schultern nach hinten, als sie versuchte sich etwas weiter vor ihm aufzubäumen. “Ich war nicht traurig.”, stellte sie klar. Ihre Nasenflügel flatterten, sie legte den Kopf etwas schief. “Aber es ist Weihnachten--”, fing Peter wieder an und riss damit den letzten rettenden Faden an dem Stahlkäfig des Drachen. “Ich sagte dir doch schon, dass Weihnachten ausgerottet werden sollte!”, schrie sie plötzlich auf, holte mit den Armen aus und stieß so fest sie konnte gegen Peter’s Brust, dass er sofort nach hinten flog und mit dem Hinterkopf gegen den Tisch flog. June’s Brust hob und senkte sich stark, andere Schüler eilten Peter zu Hilfe und funkelten June entweder nur an, oder zeigten sich ängstlich. Sie war das Weihnachtsmonster schlechthin. Sollte ihr nur recht sein, Peter hatte es übertrieben und kein Recht.. nun was hatte er ihr denn eigentlich getan? Feindselig starrte sie ihn noch kurz an, als er plötzlich aufjapste.
Natürlich hatte er jetzt Schluckauf. Die Ironie dahinter konnte man praktisch in der Luft ergreifen.
Doch June musste nun handeln. Es würde nicht lange dauern, bis irgendwelche Lehrer ihr Nachsitzen aufdrücken würden. Bevor einige Schüler zu den Lehrern gehen konnten, drehte June sich sofort um und rannte so schnell sie konnte aus der Halle.

June wusste ganz genau wohin sie wollte. Sie wollte in ihr Bett und niemanden mehr sehen. Bis Weihnachten vorbei war! Doch ihre Beine schlugen automatisch einen anderen Weg ein. June dachte an alles, jedoch nicht daran wie man eigentlich zum Schlafsaal gelangte. So kam es, dass ihre Beine sie automatisch zu dem schäbigen Gang trugen, wo jenes Fenster war. Ihr wurde sofort klar wohin sie eigentlich lief, schloss schnell die Augen, um den Schwan nicht ansehen zu müssen, jedoch siegte in diesem Fall dann der Steinboden. Die kleine Drasett blieb mit ihren schwarzen Lackschuhen hängen, stolperte und fiel ziemlich unsanft auf den kalten Boden. Mit zusammengekniffenen Augen richtete sie sich langsam wieder auf und rieb sich den Kopf. Wie es der Zufall wollte, lag sie genau vor jenem Fenster. Die letzten Sonnenstrahlen schienen gerade durch, blendeten ihre Augen, sodass sie einen Schritt zur Seite machte. Kurz blickte sich June um, überlegte wie sie von hier am besten in ihr Schlafgemach kam als-- moment.
Ihre Augen trugen sich zu dem bunten Fenster, folgten den Lichtstrahlen und blieben an der Vitrine haften, welche alte Auszeichnungen beherbergte. Ohne große Kontrolle über ihre aktuellen Gedanken und Handlungen, schritt sie näher an jene Vitrine und blickte auf einen kleinen schäbigen Pokal. Die kleinen bunten Lichter lagen genau auf dem rostigen Metall des kleinen Pokals. Wofür dieser wohl war? Doch das sollte kaum eine Rolle spielen, denn der eingravierte Name zog eher die Aufmerksamkeit auf sich. Er war mit einer dicken Staubschicht bedeckt, jedoch konnte sie es genau erkennen. “Narcisse Drasett”, lasen ihre Lippen leise, während ihre Wimpern schnell klimperten, fast schon ungläubig.
Die kleinen Finger legten sich an den Verschluss der Vitrine, jedoch bekam sie diese nicht auf. Ein schneller Griff an den Zauberstab, das bekannte Schwingen, “Alohomora” - Zack! War die Vitrine offen!
June umfasste den Pokal mit ihren hibbeligen Händen, nahm ihn heraus und begutachtete jeden Zentimeter. War dies jenes Erbstück? Nein das konnte nicht sein. Solch ein schäbiges altes Ding konnte niemals das wertvolle Erbstück sein, welches einem Glück versprach. Doch wo war das Erbstück? Es konnte schließlich kein Zufall sein, dass hier der Schwan mit einem Osterglöckchen abgebildet war, und der Pokal einer ihrer Vorfahren! Das war langsam kein Zufall mehr, sondern Schicksal!
Jetzt gab es nur noch ein Problem. Wo war das Erbstück? Was hatte der Pokal damit zu tun?
June suchte den Pokal ab und streckte dann den Kopf in die Vitrine, um jene genauer abzusuchen. Hysterie stieg auf, ihre Finger wurden zittriger, aufgeregter als sie es sowieso schon waren, doch egal wie viele Sekunden, Minuten sie damit verbrachte alles abzusuchen; es war einfach nicht da. “Das kann doch nicht wahr sein!”, rief June aufgebracht aus, starrte den Pokal an, welchen sie fest zwischen den Fingern hatte. “Wertloses Stück Metall”, knurrte sie zwischen einem knackenden Zähneknirschen, erhob ihren Arm und warf den kleinen Pokal mit Wucht auf den Boden, in der Hoffnung sich danach besser zu fühlen. Und in der Tat! Es fühlte sich-- halt.
June’s Kopf schnellte zum Boden, sie entdeckte ein kleines Päckchen neben dem Pokal. Der Boden des Sockels war abgefallen und.. war es das? Hatte sie es endlich gefunden?

 
“Hier schreibe ich meine letzten Zeilen, ehe meine Kraft mich für immer verlässt.
Ich habe es nach all dieser Zeit geschafft endlich ihr Herz zu gewinnen. Das Herz meiner liebsten Juliette.
Die Hochzeitsglocken klangen am letzten Monat des Jahres, der Tag unserer Glückszahl.
24
Zusammen feierten und lachten wir.
Es war der glücklichste Tag meines Lebens.
Ihr Todestag war der Traurigste.
Doch bevor ich zu meiner Juliette zurückkehre, möchte ich etwas von meinem Glückstag an meine Nachfahren vermachen.
Auf dass das Glück weiterhin durch diese Familie fließt.

Gezeichnet,
Narcisse Drasett


June las jene Zeilen immer wieder durch und konnte den Finger nicht mehr von der verblassten Tinte auf diesem Stück Pergament nehmen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie in ihrem Schlafsaal lag. Sie konnte bis dahin nicht das Päckchen öffnen. Und auch jetzt traute sie sich fast nicht. Was sollte ihren Vorfahren denn an seinen Hochzeitstag erinnern? War es ein Ring? Ein ganz bestimmtes Schmuckstück?
June war mehr als gespannt und konnte es kaum erwarten, legte die Finger an das gelbe Band und zog die ordentliche Schleife auf. Mit einem tiefen Atemzug öffnete sie das grüne Päckchen, das Grinsen war ihr ins Gesicht gedruckt, als--
Was?!
Das konnte sich doch nur um einen Scherz handeln!
Ungläubig schüttelte June den Kopf, als sie auf den Inhalt des Päckchens blickte. Es war.. ein Weihnachtsschmuckstück?
Eine Glaskugel, in welcher ein kleiner verzauberter Schwan saß. In seinem Schnabel: das bekannte Osterglöckchen. Die Glaskugel war umringt von kleinen Tannenzweigen, das Glasinnere leuchtete immer in einer neuen Farbe, sobald man die Kugel berührte. June’s Zeigefinger ergriff das rote Band an der Kugel und zog es endlich aus dem Päckchen heraus. Irritiert betrachtete sie die Kugel weiter, schüttelte dabei nur geschockt den Kopf, als ein kleines Foto ihre Aufmerksamkeit forderte. Es war ein Bild eines Hochzeitspaares, welches eine Kugel zusammen auf einen Weihnachtsbaum hängte. Diese Weihnachtskugel. Auf dem Rand des Bildes stand in unlesbarer Schnörkelschrift: “Narcisse Drasett und Juliette Swan”.
Wie konnte das nur sein? June verabscheute Weihnachten, wollte am liebsten alles niederbrennen, Schüler mit Weihnachtskugeln abwerfen, sie an ihren Plätzchen ersticken lassen und kleine Glasengel wegschlagen doch.. alles was sie sich so ersehnt hatte war.. diese Weihnachtskugel.
Sprachlos ließ June sich rückwärts ins Bett fallen und schnaufte durch. Was hatte das nun zu bedeuten? Was sollte sie damit nun anfangen?



Irritiert blinzelte June und setzte sich ruckartig auf. Ihre geballten Fäuste trug sie an ihre Augen und rieb diese damit. Sie war eingeschlafen; doch hatte sie die ganze Nacht geschlafen? Schnell sprang sie auf dem Bett, als sie ein Klacken hörte. Sie war auf dem Weg zum Fenster, stoppte auf dem Mittelweg und drehte sich um. Die Glaskugel lag auf dem Boden und June stolperte schnell hin, um sie aufzuheben und zu inspizieren, ob sie etwas kaputt gemacht hatte.
Merlin sei Dank, die Kugel war noch ganz und hatte auch keinen Kratzer erlitten. Mit der Kugel in der Hand verfolgte sie nun doch ihren Plan und rannte zum Fenster. Es war wirklich früher morgen, doch was verblüffender war: es schneite!
Große Schneeflocken schwebten vom grauen Himmel hinunter und die kleine Drasett kam nicht umher, dass sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen strich.
Ein kurzer Blick auf die Uhr und.. es war Frühstückszeit! Stolpernd schwang sie sich also in ihre Uniform und warf einen Blick in den Spiegel. Ihre braunen Haare lagen ordentlich über ihre Schultern, ihre eisblauen Augen strahlten förmlich und.. keine Spur von irgendwelchen Hörnern. Ihre Finger fuhren zu ihren Ohren, strichen sanft darüber. Sie waren so klein wie sie es gewohnt war und ein entzückendes Strahlen legte sich auf ihre Gesichtszüge.
“Los zur Halle!”, murmelte sie sich selbst zu, schlüpfte in die Schuhe und rannte zur großen Halle.

Angekommen hielt June Ausschau nach einer bestimmten Person. Ihre Beine trugen sie langsam durch die Halle, ihre Augen musterten jedes Gesicht, als sie am Ende des Hufflepuff-Tisches endlich die roten Bäckchen erspähte. Aufregung machte sich langsam in ihr breit, als sie Peter immer näher kam und dann schließlich neben ihm stand. “Peter”, sprach sie aus, wollte so seine Aufmerksamkeit bekommen. Er blickte zu ihr hoch und riss erschrocken die Augen auf, denn June in solch normaler Gestalt? Hatte er vorher noch nie wirklich zu Gesicht bekommen. Er verschluckte sich an seinem Sandwich und fing wie verrückt an zu husten. “June, was--”, hustete er, bekam auch sofort wieder Schluckauf, als June ihn sofort unterbrach. “Ich wollte mich für mein Verhalten gestern entschuldigen. Ich hatte kein Recht das zu tun. Es tut mir Leid. Frohe Weihnachten Peter”, sprach sie leise, fast schon beschämt aus. “Frohe Weihnachten?”, fragte er irritiert, bevor sie die Möglichkeit hatte sich auf dem Absatz umzudrehen und zu gehen. “Uhm.. ja. Es ist ja schließlich Weihnachten”, June zuckte mit den Schultern und erntete ein kleines Lächeln von Peter. “Ich vergebe dir June”, sprach er sanft aus, erntete ein mehr als ehrliches Lächeln von June. Das erste ehrliche Lächeln, welches sie ihm geschenkt hatte. “Was hast du da in der Hand?”, fragte er dann weiter. In der Hand? Die kleine Drasett blickte auf ihre Hand und erkannte die kleine Glaskugel. “Warte einen Moment”, schmunzelte sie, stand auf und lief langsam zum großen Tannenbaum vor. Sie spürte die Blicke einiger Schüler auf sich, gespannt und fast schon ängstlich, was sie tun könnte.
Doch June tat nichts.
Sie stellte sich lediglich auf die Zehenspitzen und legte das rote Band der Glaskugel um einen der Tannenzweige. Ein zufriedenes Seufzen verließ dabei ihre Kehle, als sie sich umdrehte und die Schülerschaft anblickte. Von fast allen erntete sie ein Lächeln, doch Peter grinste sie über beide Ohren an. Nicht einmal June kam umher mit einem breitem Grinsen zu antworten.
Weihnachten hatte sich in ihr Herz geschlichen und dort seinen Platz gefunden.
 


Die Mutter blickte auf ihren Sohn und erkannte anhand seiner ruhigen Atmung sofort, dass er eingeschlafen war. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie kleine Finger auf der letzten Seite des Buches erspähte. Ihre Tochter tippte auf das letzte Bild und wirkte noch hellwach. “Ist das June?”, fragte sie und die Mutter nickte.


Das magische Bild bewegte sich und zeigte die Verwandlung vom Weihnachtsmonster zur unschuldigen June. “Das weißt du doch! Das Bild zeigt June, wie sie aussieht und wie sie zur Weihnachtszeit für die anderen aussah”, erklärte sie, während ihre Tochter nur beschwänglich nickte. “Auch wenn sie ein Monster war, sieht sie hübsch aus!”, die Tochter grinste und bekam nur ein sanftes Lachen ihrer Mutter als Antwort, gefolgt von einem Kuss auf dem Haaransatz. “Nun ist die Geschichte aber vorbei und ihr müsst ins Bettchen!”, flüsterte sie, stand vom Bett auf und beobachtete wie ihre Tochter in ihr eigenes Bett hüpfte. Beiden Kindern schnell einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn gedrückt, Licht aus und leise die Tür hinter sich schließen. Wie sagte man bekanntlich? Schließt sich die eine Tür, öffnet sich eine andere! In diesem Fall die Türe zum Arbeitszimmer, aus welchem ihr Mann herauskam und sie grinsend in Empfang nahm. “Und?”, fragte er nach, bekam einen kleinen Kuss seiner Frau. “Sie schlafen. Natürlich musste ich den beiden zuerst ihre Lieblingsgeschichte vorlesen”, kicherte sie und bekam einen Kuss auf die Stirn gedrückt. “Du bist die beste Mutter, die man sich vorstellen könnte, June.”
 
 
Anmerkung der Autorin:
Die Veränderungen in June's Aussehen werden durch ihre Gefühle gesteuert. Ihr ist bewusst, dass dies passiert, jedoch denkt sie nicht immer daran. Das letzte Gif, welches die Veränderung zeigt ist von mir. Selbstgezeichnet, zusammengebastelt.
Dies soll lediglich darstellen wie sie ausgesehen hat, wenn sie gerade wieder in eine Tobsuchts-Fantasie gefallen ist.

 


Du musst dich anmelden, um kommentieren zu können.
Mimi Peverell

Mimi Peverell Herzlichen Glückwunsch :)

Jackson North

Jackson North Herzlichen Glückwunsch Elza! <3

Elza Lockser

Elza Lockser Aaaai danke danke danke *-* *kann es noch immer kaum fassen und grinst wie ein Honigkuchenpferd* :p ♡

Raphael Silver

Raphael Silver *jubelt laut stark für seine Freundin* verdient ♡

Aurora Dragon

Aurora Dragon Meine kleine Schwester … ein Methamorphmagus, na das wird ja lustig XD ^^ Herzlichen Glückwunsch, Kleines :D <3

Malia Caskey

Malia Caskey Meega! Herzlichen Glückwunsch Elza :ooo ♥

Joanne Sullivan

Joanne Sullivan Ouhhhhh nega nice!! Herzlichen Glückwunsch, ElziSchnelzi! ♥♥

Cassius Thorpe

Cassius Thorpe Glückwunsch! :D

Frey Leroy

Frey Leroy Oh, genial! Meinen Glückwunsch Elza... das hast du dir echt verdient!! ❤❤

Jane Peakes

Jane Peakes AAAAAAAAAAH! Herzlichen Glückwunsch, Schnelza!!! ❤️❤️❤️❤️❤️❤️

Karia Bennett

Karia Bennett Herzlichen Glückwunsch! ♥

Liva Gallagher

Liva Gallagher Elzaaaa *-*

Grace Beaufort

Grace Beaufort Jaaaaaaa, voll gut. Endlich!!! Herzlichen Glückwunsch Elza *___*

Treffpunkt für Potterheads

Werde Teil des fantastischsten Online Harry Potter-Universums und triff viele nette und freundliche Leute, die die gleichen Interessen wie du haben. Wir heißen dich mit offenen Armen willkommen!

Hier Einschreiben

Sei immer auf dem neuesten Stand