Hallo zusammen!
Hier sind wieder die Märchenjungs Dawson & Drystan
zusammen mit ... Ryan Kilting !

Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, wie es wäre, als Vogel durch die Lüfte fliegen zu können? Oder die Fähigkeit zu haben, im Meer zu schwimmen, wie ein Delfin? So interessant diese Überlegungen sind, einmal in die Haut eines anderen zu schlüpfen und dadurch auch den eigenen Horizont zu erweitern, dürften die meisten den Wunsch verspüren, nicht dauerhaft in einem fremden Körper zu stecken. Dazu gezwungen zu sein, ist doch eher ein unerfreulicher Gedanke. Im Märchen begegnen uns öfter Tierverwandlungen. Meistens werden diese durch einen Fluch verursacht, der an gewisse Bedingungen geknüpft ist. Durch Lösen unterschiedlicher Aufgaben oder Durchführen entscheidender Handlungen findet letztendlich eine Rückverwandlung statt. Manche Tierverwandlungen gehören jedoch zum Wesen einer Märchenfigur, sodass durch bestimmte Umstände zeitweise ein Wechsel in der Gestalt stattfindet. Äußere Einflüsse können hier natürlich ebenfalls einwirken, um die Fähigkeit der körperlichen Umgestaltung in eine Richtung zu drängen. Was geschieht, wenn jemand über eine solche Fähigkeit verfügt und sie einem anderen aufzwingt, seht ihr heute.
 
Bühne frei für das 48. Märchen, das wir euch präsentieren dürfen:
“Das Werwolfsfell”, ein Märchen aus Livland.
Das Werwolfsfell
Hier kommt das Dynamische Duo im Dialog!
*hält nach dem heutigen Gast Ausschau und sieht ihn soeben in den Raum kommen*
Immer herein, Ryan Kilting aus dem Hause Slytherin.
Herzlich willkommen, setz dich zu uns.
Hallo, Drystan und Dawson! Ihr seid zwar schon etwas länger aus der Schule raus, doch ich hörte, dass ihr Leidensgenossen seid, da ihr genau wie ich nach Slytherin zugeordnet wurdet.
*hebt irritiert eine Augenbraue*
*schaut mindestens genauso irritiert*
Immerhin verbindet uns so schon mal etwas, wodurch die Zusammenarbeit heute bestimmt wunderbar gelingen wird und ich mich darauf freue, euch ein ganz besonderes Märchen zu präsentieren! Glaube ich zumindest, denn ich kenne es auch noch nicht.
Dann wird es demnach für uns alle eine spannende Märchenrunde. Aber wer weiß, vielleicht ist es doch bekannt?
Dann spann uns nicht weiter auf die Folter und erzähl, was du uns tolles mitgebracht hast.
Ich fang dann einfach mal an, oder? Ja, ich fang an! Wir widmen uns heute dem Märchen „Das Werwolfsfell“!
*macht es sich gemütlich*
Das kenne ich wirklich noch nicht.
Den Titel kenn ich tatsächlich auch nicht.
Es lebte mal ein König, der unverschämterweise direkt zwei Frauen besaß. Während er die eine heiratete, ließ er die Zweite einfach sitzen, wodurch er dieser einen riesengroßen Kummer bescherte und sie ihm lebenslang Rache schwor. Was ja im Umkehrschluss bedeutet, dass sie sich ebenfalls sehr lange mit dem Racheakt befassen wollte.
Nun, wer ist schon gerne die Nummer Zwei? Ich kann verstehen, dass die Verschmähte das nicht einfach auf sich sitzen lassen wollte.
Ich kann die zweite Frau auch sehr gut verstehen. Niemand hat es gern, dass jemand anderes vorgezogen wird. Wir sind gespannt, was die da so plant.
Vielleicht hätte sie sich stattdessen besser nach einem neuen Mann umgesehen, aber egal. Ein Jahr nach seiner Hochzeit brachte die Gattin des Königs einen Jungen zur Welt, doch bald darauf brach Krieg aus und der König musste mit seinem Heer zu Felde ziehen. Diese Gelegenheit wollte seine verlassene Braut für ihre Rache nutzen. Eine Zigeunerin lehrte sie, sich in einen Werwolf zu verwandeln, in dem sie neunmal unter der Wurzel einer Kiefer durchkriechen sollte.
*räuspert sich*
Das Wort Zigeunerin ist natürlich sehr unschön, doch im damaligen Sprachgebrauch empfand man diese Bezeichnung als normal. Aber was ist das denn für eine eigenartige Magie?
Das scheint aber auch keine normale Frau zu sein, wenn sie weiß, wie man sich mal eben in einen Werwolf verwandeln kann. Wir kennen ja nur die Theorie mit dem Biss eines Werwolfs. Ein wenig seltsam klingt es ja schon und irgendwie so einfach.
Wirklich eine sehr merkwürdige Anweisung, aber es klappte und sie plante nach ihrer Verwandlung, das erlangte Werwolfsfell der Königin überzuwerfen.
Eine Königin im Wolfspelz. Ob das gelingen wird?
*grinst*
Eine interessante Art Fell zu tragen und dass sie es einfach so weitergeben kann, ist schon sehr besonders. Ich stell mir jetzt auch grade nicht vor, wie sie mit einem Bündel Fell im Arm über den Hof läuft…
Sie schleuste sich am Hof als Dienstmädchen ein und wartete auf den passenden Moment. Als die Königin eines Tages am Fenster ihr Kind stillte, warf die Rächerin ihr von draußen das Werwolfsfell über, wodurch sich die Gemahlin des Königs sogleich in einen Werwolf verwandelte. Das Kind ließ der Werwolf in dem Zimmer zurück und schlich sich alleine in den Wald, während das Dienstmädchen zum Fenster hineinkletterte und den Platz der Königin einnahm. Allerdings konnte sie das Kind nicht weiter stillen, da sie keine Milch besaß, weshalb es schrie und weinte. Doch keinen Menschen ließ die Möchtegern-Amme und -Königin herein.
Wie verlassen ist denn der Bereich um das Schloss herum, dass niemand diese Tat bemerken konnte? Nun, vielleicht sind die Wachen drastisch reduziert worden, da jeder kampferprobte Mann für den Krieg eingesetzt wurde, aber normalerweise sollten dort viel mehr Menschen zugange sein.
Das frage ich mich auch und dass sie nicht erkannt haben, dass es sich bei der anderen um eine Betrügerin gehandelt hat. Ich mein, das muss man doch sehen.
Anscheinend war dort echt gähnende Leere im Hof! Als der König zurückkehrte, berichtete man ihm sofort, dass seine Frau niemanden an sich heranlassen würde und das Kind schrie. Wenigstens wurde er aber in das Zimmer gelassen, wo das Dienstmädchen platt auf dem Bett lag und behauptete, seine kranke Gemahlin zu sein.
Man sollte doch annehmen, dass man allein anhand der Kleidung den Unterschied feststellen kann. Eine Dienstmagd ist doch ganz sicher nicht so prachtvoll gekleidet wie eine Königin. Selbst wenn sie lediglich ein Unterkleid oder ein Nachtgewand tragen würde, muss es doch für eine Frau in hoher Position einen wertigeren Stoff geben.
Scheinbar sind alle blind und haben keine Ahnung, wie die eigentliche Königin aussieht.
Und schwerhörig ebenfalls, denn ihre Stimme dürfte sich ja eigentlich auch unterscheiden. Der König ließ gegen den Willen seiner angeblichen Frau einen Arzt kommen und dieser meinte, dass die Königin allein bleiben müsse und nicht gestört werden sollte. Als der alte Diener des Königs um Mitternacht allein im Hof saß, machte sich der Werwolf bemerkbar und sprach zu ihm, dass er das hungrige Kind säugen würde, wenn er es herausholte. Sofort durchschaute der Diener die ganze Geschichte und war sich sicher, dass die Königin im Schloss eine Betrügerin war und ein schreckliches Verbrechen stattgefunden hatte. Der Alte ist nicht auf den Kopf gefallen!
Schon erstaunlich, dass der Bedienstete nicht den Schock seines Lebens bekam. Immerhin hat da ein Werwolf mit ihm gesprochen! Und mit einem solchen Ungetüm redet man für gewöhnlich höchstens einmal im Leben.
*grinst schief*
Das wundert mich auch sehr, aber scheinbar ist es dort wohl normal, einem Werwolf zu begegnen. Immerhin ist der Mann clever genug zu verstehen, was geschehen ist.
So schnell, wie er hinter das ganze Geheimnis kam, war es mindestens schon das zweite Mal in seinem Leben! Natürlich zog der Diener seinen Herrn ins Vertrauen und in der nächsten Nacht begleitete dieser ihn in den Hof, wo sie das Kind auf den Boden legten und auf den Werwolf warteten.
Ganz schön leichtsinnig. Der König muss wirklich ein sehr großes Vertrauen zu seinem Diener haben. Immerhin geht es hier um das Leben des Thronerben!
Erstens das und es ist für das Kind sicher auch nicht sonderlich angenehm im kalten Hof liegen zu müssen.
Tatsächlich kam der Werwolf, schnappte sich das Kind und brachte es zu einem großen Stein. Dort zog die Frau das Fell aus, legte es auf den Stein, setzte sich darauf und säugte das Kind. Da erkannte der König seine Frau und wollte zu ihr eilen, doch sein cleverer Diener hielt ihn davon ab, da er es als zu gefährlich erachtete. Als der Werwolf fertig war, brachte er das Kind zurück und sprach „Noch zwei Abende, dann niemals mehr!“, ehe er verschwand.
Klar, für den König soll das Zusammentreffen mit dem Werwolf gefährlicher sein, als für den Säugling oder den Diener? Schräg.
Hier haben wir auch wieder die Zahl Drei, D! Dennoch bleibt die Frage, warum sie das Fell nicht einfach aus lässt und sich zeigt.
So magisch, diese Zahl! Ich vermute, durch den Fluch ist die Königin an die Verwandlung gebunden. Sie weiß ja ebenfalls irgendwie, dass sie nur noch zwei Mal das Fell ablegen kann. Und diese Stelle erinnert mich stark an ein anderes Märchen… eher gesagt an zwei andere.
Nicht nur dich.
Mich nicht, welche sind das denn?
Zum einen erinnert es mich an Brüderchen und Schwesterchen. Dort versucht die böse Stiefmutter dem König ihre hässliche Tochter unterzujubeln und die wahre Königin kehrt einige Male als eine Art Untote zurück, um ihr Kind zu stillen, bis der König sie erkennt, erlöst und sie wieder richtig lebendig wird. Zum anderen muss ich dabei an die schottischen Selkie-Märchen denken, bei denen Robben ihr Fell ablegen können und sich in wunderschöne Frauen verwandeln. Meist stiehlt ein verliebter Mann das Fell und versteckt es, wodurch er die Selkie an sich bindet und nicht selten eine Familie mit ihr gründet. Sobald sie ihr Fell jedoch findet, legt sie es an und kehrt in ihr altes Robbenleben zurück.
Sehr cool, ihr beide habt ja richtig Ahnung! Danke für den kleinen Exkurs, doch nun zurück zu unserem Märchen! Nachdem die beiden Männer mit dem Kind in das Schloss zurückgekehrt waren, wurde die falsche Königin umgehend festgenommen. Der König beriet sich mit seinem Diener und beide beschlossen, am nächsten Abend wieder das Kind in den Hof zu bringen und dieses Mal den Werwolf einzufangen. Nachdem die Frau ihr Fell wieder abgelegt hatte und begann, das Kind zu säugen, stürzte der König auf sie zu. Als sie ihn herannahen sah, ließ sie ihren Sohn jedoch sofort fallen und lief hinfort. „Noch morgen Nacht, dann niemals mehr“, hörte der König sie noch rufen.
Autsch, das kann dem Sohn nicht gut getan haben. Hoffentlich wird der König sich beim dritten Besuch der verfluchten Königin schlauer anstellen. Er hat nur noch einen Versuch!
Aber warum einfangen, wenn die ihr doch einfach hätten sagen können, dass sie wissen, dass sie die echte König ist und zurück ins Schloss kann? Dass sie das Kind einfach fallen lässt, ist schon heftig. Es scheint, als würde ihr das Fell nicht gut tun und sie zu einem richtigen Tier machen.
Bestimmt ist die Ablegung des Fells ab einem bestimmten Zeitpunkt auch gar nicht mehr möglich, aber schauen wir mal weiter. Dem König fiel kein Mittel ein, wie sie den Werwolf in der kommenden Nacht fangen konnten, doch zum Glück gab es noch seinen schlauen Diener. Dieser schlug vor, den großen Stein zu erhitzen, sodass das Fell auf dem glühenden Stein haften bleiben würde, sobald der Werwolf dieses auf den Stein gelegt hatte und sich daraufsetzte. Ohne Fell würde der Werwolf bestimmt nicht die Flucht ergreifen. Dieses Mal hielten sich die beiden Männer im Hintergrund, während die Frau das Kind säugte. Denn je länger sie auf dem Stein saß, desto besser blieb das Fell an diesem haften.
Ob das wirklich funktionieren kann? Der Stein müsste ja schon ordentlich heiß sein, das dürfte man doch auch durch so ein Fell hindurch am Hintern spüren, schätze ich.
*verzieht das Gesicht bei dem Gedanken an den Geruch von verbrannten Haaren*
Die Idee kann nur nach hinten losgehen.
Tatsächlich blieb das Fell am Stein kleben und der König konnte seine Frau, welche 6 Monate lang ein Werwolf gewesen war, wieder mit ins Schloss nehmen. Die falsche Königin dagegen wurde an einen Pferdeschweif gebunden, sodass das Pferd sie zu Tode treten konnte. Hätte die sich wirklich besser mal einen neuen Mann gesucht. Dagegen hielten der König und seine Gemahlin zum zweiten Mal Hochzeit und lebten glücklich und zufrieden.
Moment, die Königin war sechs Monate lang ein Werwolf? Und hat ihr Kind nur drei Mal gestillt?
*schaut sehr irritiert*
Hatte sie übernatürlich sättigende Milch? Das haut ja sonst gar nicht hin, wenn nicht noch eine andere Frau gestillt hat. Die verschmähte Frau war dazu ja nicht in der Lage. Und der König muss über großen Reichtum verfügen oder sich diesen durch einen Sieg vermehrt haben, wenn er ein zweites Mal eine Hochzeit ausgerichtet hat. So ein Krieg ist schließlich kostspielig.
Das ist schräg. So richtig schräg und verwirrend.
Das habe ich mich auch gefragt, aber ich schätze, dass nach der Ankunft des Königs auch eine Amme zu dem Kleinen durfte. Für meinen Geschmack ein etwas zu brutales Ende, aber die Vorstellung von solch einem Fell gefällt mir. Wenn ich meine Slytherin-Robe so verzaubern könnte, wäre ich in der Lage, sie einem Gryffindor überzuwerfen. Dann würde der in den Kerker schleichen und ich könnte es mir in diesem prachtvollen Löwen-Turm gemütlich machen. Doch leider geschehen so schöne Dinge nur im Märchen.
*schnaubt empört*
Was hast du nur gegen Slytherin? Dies ist ein ehrenwertes Haus, das dir noch sehr viel beibringen wird. Du wirst schon sehen!
Da kann ich D nur zustimmen. Slytherin ist ein tolles Haus und es wird seine Gründe haben, warum du dort gelandet bist.
In Slytherin wird man nur vom Paten gezwungen, bei grässlicher Kälte draußen Sport zu machen. Und außerdem... Ach, das führt zu weit, reden wir in ein paar Jahren nochmal darüber! Dann werden wir sehen, ob mir dieses ach so ehrenwerte Haus wirklich so viel beibringen konnte. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte!
Der Vorhang fällt - ‘Tschüss Märchenwelt!’
In diesem Märchen finden wir das Thema Tierbraut in einem neuen Gewand wieder. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir haben es nicht mit einem Wesen wie der Selkie zu tun, einer Robbe, die sich nach Belieben auch in eine menschliche Form verwandeln kann, indem sie ihr Tierfell abwirft oder anlegt. Vielmehr wird die Verwandlung in einen Werwolf magisch herbeigeführt und als eine Art Fluch weitergegeben. Diejenige, die sich bewusst entschieden hat, eine Wandlung auf unnatürliche Art zu durchleben, kann das Fell nach Belieben loswerden und auf eine andere Frau übertragen, die eben nicht über den eigenen Willen oder das Wissen verfügt, diese Bürde dauerhaft abzulegen. Wie erklärt ihr es euch, dass die Wirkungsweise des Werwolffells so unterschiedlich ausfällt? Kennt ihr weitere Märchen, in denen ein Mensch unfreiwillig in ein Tier verwandelt wird? Oder das Tierhafte eine natürliche Form darstellt, wie bei der Selkie? Was meint ihr, werden mehr weibliche oder mehr männliche Charaktere in ein Tier verwandelt?
 
Was meint ihr? Lasst es uns gerne in einem Kommentar wissen!
 
Auch du hast Lust, als Gast auf der Märchencouch Platz zu nehmen? Schreibe uns gerne eine Eule und wir klären alles weitere mit dir ab!
 
Somit verabschiedet sich das Dynamische Duo für dieses Mal und ist gespannt, welches Märchen als nächstes an der Reihe sein wird.

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